Verwandlung als Kick

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Einer der Höhepunkte ihres Berufes ist der Moment, in dem alle Schauspieler zum ersten Mal eingekleidet am Set stehen.

Wie sie sich in die Filmcharaktere verwandeln, in ihre Rolle schlüpfen und sich ein Gesamtbild ergibt, das ist jedes Mal toll.“….

Man muss sich selber zurücknehmen können in diesem Beruf, davon ist Nicole Stoll überzeugt, und man braucht Einfühlungsvermögen und Diplomatie, um mit den vielen verschieden Charakteren, mit denen man zusammenarbeitet, klar zu kommen.
Der Umgang mit Mode wird da oft eher nebensächlich, denkt man an Filme, wie einen Polizeiruf, wo meist weder der Kommissar noch die Täter besonders modische Typen sind. Und das sagt ausgerechnet sie, die ihre Ausbildung an der Berufsfachschule für Mode in Stuttgart absolvierte.

Das Berufsziel Kostümbildnerin hatte sie nach ihrem Abschluss lange nicht im Sinn, bis sie auf eine Visagistin traf, die sie an die Filmakademie Ludwigsburg weitervermittelte. Dort wurde für einen Diplomfilm eine Kostümbildnerin gesucht.
Das klang interessant und sie sagte zu. Ihre Aufgabe war, für den französischen Schauspieler Dominique Pinon, bekannt aus „Delikatessen“, ein futuristisches Pilotenoutfit zu kreieren…Am Set war sie hin und weg von der Atmosphäre, der Arbeit im Team und dem Zusammenspiel der einzelnen Abteilungen. „ Ich wusste, das ist es “….

In den nächsten zwei Jahren entwarf sie nebenbei Kostümbilder für Studentenfilme der Filmakademie. Bis sie schließlich für den Diplomfilm von Christian Rohde arbeitete. „Das war der Wendepunkt“. Denn Rohde frisch diplomiert , verantwortete mit „ Mein Bruder der Vampir “ (Regie: Sven Taddicken) , seinen ersten kommerziellen Film als Producer und engagierte Nicole Stoll als Kostümbildnerin.

Über den klassischen Weg der Empfehlungen wurde sie von Regisseur zu Regisseur weitervermittelt…..

Wenn beim Drehbuchlesen der Cast schon fest steht, erleichtert das die Arbeit. Die Ideen für die Kostüme können gleich mit dem entsprechenden Schauspieler vor Augen entwickelt werden…..als Ideenpool dient ihr das eigene Archiv, mit Bildern aus Magazinen aber auch eigenen Fotos. Viel öfter möchte sie in Zukunft noch auf den Auslöser drücken, wenn ihr schräge Leute auf der Straße begegnen. „ Die Realität übertrifft da oft die Fantasie“. Ihre Liebe gehört aber nicht nur den Hauptrollen. Es sind oft die kleinen Nebenrollen an deren Kostüm ihr Herz hängt.

Aber egal ob Haupt, Nebenrolle oder Komparse.
Ihr Leitmotiv bei der Arbeit ist: Das beste Kostüm fällt nicht als Kostüm auf. 

( Auszüge aus dem Interview in FILM FACTS Südwest , Februar 2006 )

Seit 2009 lebt sie mit ihren beiden inzwischen erwachsenen Kindern in Berlin.

 

 

interview in film facts 02/2006
interview in film facts 02/2006 (PDF, 1mb)